Mittwoch Mittag. Ich im Cafe. Beim „Lernen“ finde ich auf auf twitter einen Stern Artikel.

„So funktioniert das perfide Marketing von True Fruits – und das könnt ihr dagegen tun“ prangt es in der Headline. Direkt darunter im Beitragsbild – ein leckerer und drei vergammelte Äpfel. Foodsharer würden vermutlich aber gar keinen Unterschied erkennen und alle 4 für essbar erklären. 

Der deutsche Fruchtsafthersteller True Fruits ist hinlänglich bekannt. Kein Kühlschrank ist wirklich gut gefüllt, wenn er nicht über 2-3 von ihren Smoothies verfügt. 

Zugegeben, es gibt auch zahlreiche andere Smoothiehersteller. Da wäre zum Beispiel…. Ja wer eigentlich? Wer denkt im Ernst bei Smoothies nicht direkt an True Fruits?

Das hat mehrere Gründe. Ich mag True Fruits Smoothies zum Beispiel wegen deren Glasflaschen. Klar könnte man auch auf die 40 Cent günstigere Billigalternative zurückgreifen. Dann gibts die Weichmacher aus der Plastikflasche aber eben auch inklusive. Darüber hinaus sind die Kombinationen und die Qualität der Säfte einfach bombe. Schön gekühlt hat man den perfekten Mix aus Vitamincocktail und Fruchtfrische. Wären wir hier bei Instagram wäre #foodporn unerlässlich.

Ein anderer und derzeit viel aktuellerer Grund warum True Fruits der wohl bekannteste Smoothiehersteller ist, liegt in der Aufmachung der Glasflaschen. Mit frechen Sprüchen und lustiger Beschreibung kommen die Flaschen mit einem gewissen Comedy Charme daher.

So werden zwei Säfte mit Chia Samen beispielsweise mit „ 2 Samenspender aus gutem Hause“ oder der Vanille Smoothie mit schwarzer Flasche als „Unser Quotenschwarzer“ beworben. Zwei Sorten mit Chili sind „Scharfe Geräte“ und auf der Version mit viel Bananensaft steht „Ganze Bananen können im Hals stecken bleiben“. Auch sehr lustig, eine Werbung in Österreich mit einer schwarzen, einer roten und einer gelben Flasche mit dem Slogan „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“. Insgesamt kommen viele Gruppen nicht ohne kleinen Seitenhieb davon. Veganer, Rosenverkäufer mit Migrationshintergrund und hysterische Feministen werden des öfteren veräppelt.

Das ist natürlich nicht im Sinne der politischen Korrektheit. Und so gibt es zu beinahe jeder guten Werbekampagne von True Fruits einen größeren oder kleineren Skandal innerhalb linker Medienblasen und manchmal sogar darüber hinaus. Im Stern Artikel findet man dann gezogene Parallelen zu Donald Trump und überhaupt zum Rechtspopulismus und dem allgegenwärtigen Bösen. 

Nun kommt im 21. Jahrhundert kein Unternehmen ohne klares Bekenntnis zu Toleranz und Vielfalt aus. 2017 hat der Hersteller auf Rassismusvorwürfe mit dem Slogan „Bei uns kannst du kein Braun wählen!“ geantwortet. Darunter wieder eine schwarze, eine rote, eine gelbe Flasche.  

Aber für den geschulten hobbylosen Spaßverderber kann das natürlich nicht genug sein. Schließlich sind wir laut Stern „alle in einer rassistischen und sexistischen Gesellschaft aufgewachsen“. Und deshalb ist die Frage „was man unternimmt, um gegen eigene Ressentiments zu arbeiten“. Die einfachste Lösung scheint zu sein, den eigenen Humor abzuschalten. Warum nicht gleich etwas Depression. Dann lacht man tendenziell vielleicht etwas weniger über vermeintlich diskriminierende Werbung. Aber wer gute Kommunisten kennt, der weiß, dass es einen viel Komplexeren Handlungsbefehl geben muss. 

Der Stern schlägt handlungsorientierten Lesern vor

  • True Fruits nicht zu kaufen 
  • Einigen Instagram Accounts zu folgen und Freunde bzgl.  True Fruits Diskriminierung auf dem Laufenden halten 
  • Beim deutschen Werberat petzen zu gehen 
  • Geschäftspartner des Werberates dazu anzuhalten, die Smoothies aus dem Sortiment zu nehmen 

Es geht also längst nicht mehr nur darum, unliebsame Werbung zu skandalisieren und auf der Basis über eine „bessere Gesellschaft“ zu debattieren. Das Ziel ist ganz klar eine wirtschaftliche Schädigung, wenn nicht gar Vernichtung von in Ungnade gefallenen Personen und Unternehmen.

Und so entscheidet der nächste Griff im Supermarkt vielleicht über den Machtkampf zwischen politischer Korrektheit von links und dem Humor. 

Ist das schon ein Handelskrieg? 

In dem Sinne, erstmal nen Vanillesmoothie. Schließlich kommt der so selten über die Grenze

7 Kommentare zu „Wenn der Smoothie richtig kickt

  1. Herrlich, Habe das die Tage mitbekommen, Und konnte den hate nicht verstehen, offen kundig ist das Humor. Ich selbst, hätte mich nach den anderen, schon angegriffen gefühlt müssen.
    Aber das habe ich nicht, da es einfach nur gute humorvolle, und auch mal satirische Slogans sind.
    Danke für den tollen Artikel.
    Darauf ein Samenspender…

    Liken

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