Seit der Schulzeit habe ich diesen Satz beinahe inflationär gehört. Oft in Abgrenzung zu all den Unrechtsregimen aus der Vergangenheit. Als wir im Unterricht das Leben der Anderen, einen empfehlenswerten Film zum Thema Verfolgung und Staatssicherheit in der DDR, sahen und uns im Nachgang in zähen Gesprächsrunden darüber austauschten wie viel Glück wir haben in einem ach so freien Land leben zu dürfen, viel er natürlich auch.  

Seit dem muss ich gelegentlich an meine Lehrerin aus dem Geschichtsunterricht denken. Wie sie vor der Klasse stand und sagte „ Demokratie heisst sagen was man denkt, mit gestalten, einmischen“. Fand ich klasse. 

Gesagt getan. Eines Tages  habe ich angefangen YouTube Videos zu drehen und bei Instagram neben dem obligatorischen Food Blogging auch mal meine Meinung zu politischen Themen zu sagen. Ich liebte Social Media. Youtube war ganz cool, aber Instagram hatte es mir wirklich angetan. Storys teilen, andere Profile verlinken und ganz wichtig: regelmäßig was cooles unternehmen, um coole Fotos posten zu können.  Ohne Story hat es ja bekanntlich nie stattgefunden. Food Blogging wurde bei mir zum Fleischposting und jede Nachricht von einem Porno-Fakeprofil an meinen guten alten Freund „toitsch“ weitergeleitet. Für alle sichtbar in der Story natürlich. 

Und ich habe mich an alle Regeln des gepflegten Instagram Lebens gehalten. Die Teilnahme an Challenges, Markierung von Freunden und dem Fotografen meines aktuellen Beitrages und, auch wenn ich es nicht gern zugebe, das Duck Face. Man tut, was man tun muss. 

Kam ganz gut an. Über die Jahre haben sich jede Menge Leute gefunden denen meine Beiträge zu gefallen schienen. Mich erreichten Grußfotos aus dem Urlaub, lustige Memes mit meinem Gesicht und unzählige Nachrichten von Followern, die mir Mut zusprachen, positives Feedback gaben und mich baten unbedingt dran zu bleiben. Und das stand für mich selbstverständlich außer Frage.

Im Sommer 2018 begann Instagram dann einige meiner Posts zu löschen und mein Profil wurde kurzzeitig stillgelegt. Obwohl es dazu nie ein „offizielles“ Statement gab war schnell klar, dass das Lambda ab sofort bei Instagram zensiert wurde. Wegen Hassrede und Hetze und so. 

Mein Profil wurde nach einer Beschwerdemail von mir wieder freigegeben und die darauffolgenden Monate konnte ich mich wieder uneingeschränkt dem Instagram Game widmen. Ich musste natürlich vermeiden Lambdas zu posten, aber das war dann doch gar nicht soo unmöglich. Andere hatten es da schwerer. Martin Sellner wurde selbst mit seinen unpolitischen Beiträgen für alle Ewigkeiten von Instagram gebannt und fristet sein Dasein heute als Fake-Parodie Account um wenigstens noch die ein oder andere Story von alten Freunden anschauen zu können. 

Gestern Nachmittag war es dann plötzlich aus mit der guten Zeit. Auf mein Konto bei Instagram konnte ich nicht mehr zugreifen. Mein Account war für keinen meiner über 6000 Follower mehr sichtbar. Aus alex_malenki wurde Instagrammer und aus meinem mit Beiträgen gefüllten Profil ein trister, leerer Ort.

In den letzten Jahren findet soziales Leben mehr und mehr im Netz statt. Das kann man selbstverständlich kritisieren, sollte man vielleicht sogar auch, aber leugnen kann man es nicht. Umso heftiger ist es, wenn dir von jetzt auf gleich der Kontakt zu Freunden, Bekannten und sogar Verwandten abgeschnitten wird. All das was Social Media an Vorteilen bringt, so wie die weltweite Kommunikation, das teilen von Alltagssituationen mit Freunden und die Interaktionen mit der eigenen Peer Group kann dir durch die Willkür eines Unternehmens, auf Druck des Staates hin einfach binnen Sekunden genommen werden.

Also musste ich auch heute wieder an meine Geschichtslehrerin denken. 

Denn mit dem „mit gestalten“ und „sagen was man denkt“ ist es immer so eine Sache. Wenn das, was du denkst dem Mainstream, also den Eliten und Herrschenden gefällt, kannst du all das tun. Wenn du aber die „falsche“ Meinung hast und „falsch“ mit gestaltest, wirst du eines Tages einfach gelöscht. Völlig egal, dass du nie gegen ein Gesetz oder gegen Nutzungsbedingungen verstoßen hast. Aber vielleicht habe ich Glück und meine Beschwerde über das Instagram Hilfe-Formular wird auch dieses Mal Erfolg zeigen. Und wenn nicht, kann ich immer noch froh sein in diesem Staat zu leben. Wir haben zwar keinen Meinungsfreiheit, aber dafür wenigstens Bananen.

3 Kommentare zu „Eine Zensur findet nicht statt.

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